FILMPROGRAMM
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Beginn: 21:00 Uhr

 

CAREFUL WITH THAT POWER TOOL

Eugene ist zurück. Diesmal traumwandelt der junge Hasardeur mit dem zynischen Karma kreuz und quer durch eine mit Todesfallen gespickte Werkstatt – Eltern sollten die Augen zu allen Zeiten geschlossen halten.

 

Regie: Jason Stutter
Drehbuch: Jason Stutter


Kamera: Phil Burchell
Darsteller: Cameron Stevens

HÄNDELSE VID BANK

Von einer Bankenkrise der besonderen Art erzählt Händelse vid bank, Gewinner in der Kategorie ‚Bester Kurzfilm’ der diesjährigen Berlinale. Ohne Schnitte und mit stoischer Kamerafahrt rekonstruiert Regisseur Ruben Östlund die Ereignisse rund um einen, gelinde gesagt, dilettantisch verübten Banküberfall. Mehr als 96 Statisten und Darsteller kamen zum Einsatz, um den authentischen Vorfall möglichst wahrheitsgetreu abzubilden. 
Die gleichsam ökonomische wie präzise Kameraführung versetzt den Zuschauer in den gleichgültigen Beobachtermodus einer Überwachungskamera und schafft damit den größtmöglichen Kontrast zur chaotischen Eskalation der Geschehnisse, die sich dem aus sicherer Entfernung zuschauenden Voyeur darbieten. Der Film ist dabei eine wunderbare Parodie auf die paradoxe Gleichzeitigkeit von Mitteilungswahn und Überwachungsparanoia, die beide zu gleichen Teilen eine Gesellschaft bestimmen, die sich dem wachsenden Anschein nach mit ‚2.0’ und ‚9/11’ numerisch erschöpfend erfassen lässt.

Einmal mehr ist es die Authentizität des Gezeigten, die die Bombe schließlich platzen lässt: Genau wie die hilflosen Zeugen ihren Augen nicht trauen (stattdessen die grob gepixelte Ersatzrealität des Handy-Videos bemühen), so mag sich der Zuschauer nur zögerlich vorstellen, dass alles tatsächlich ‚genau so’ passiert ist - und eben ständig (und auch jetzt gerade) ähnliche Klein- und Großkatastrophen ‚genau so’ (und überall) passieren. Und ‚genau dann’ ist man ganz nah dran am cineastische Deutsch-Großmeister Alexander Kluge und seiner wunderbaren Formel vom „Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“. Denn der geschieht, hier und anderswo, zumeist überfallartig…

 

„Perfekte Dialoge und die Menschlichkeit wird mit Humor dargestellt", urteilte die Berlinale-Jury.

 

Regie: Ruben Östlund
Drehbuch: Ruben Östlund


Kamera: Marius Dybwad Brandrud
Darsteller: Henrik Vikman, Lars Melin, Bahador Foladi, Ramtin Parvaneh, Leif Edlund Johansson, Rasmus Lindgren, Per-Olof Albrektsson

BEANFIELD - planetary

YOU AND ME


Ein Familienfilm im reinsten Wortsinn: Der Hamburger Filmstudent Karsten Krause hat mit You and me eine außergewöhnlichen Hommage an seine eigenen Großeltern geschaffen und dabei zugleich eine universal verständliche Botschaft von der Möglichkeit des Beständigen formuliert – eine Lobpreisung der Zeiten, die man gemeinsam verbringt. Der Zusammenschnitt alter Super-8-Aufnahmen zeigt, wie die immer gleiche Frau (Anneliese Krause, Karsten Krauses Großmutter) über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten auf eine Kamera zuläuft. Hinter der Kamera: Hans Krause, der Großvater des Regisseurs. Unterlegt sind diese ‚Szenen einer Ehe’ mit Texten des us-amerikanischen Lyrikers Edward Edlin Cummings, der aufmerksamen Kinobesuchern noch aus dem Erfolgsfilm Dead poets society (Der Club der toten Dichter) von 1989 bekannt sein dürfte. In Peter Weirs preisgekröntem filmischen Plädoyer für geistige Freiheit und das Recht auf Individualität illustriert Cummings Gedicht Dive for dreams den zentralen Leitsatz vom Carpe diem. In You and Me wird diese programmatische Lebensformel kunstvoll erweitert: Nutze den Tag – und halte ihn fest…

„Großes, minimalistisches Kino im Schmalfilmformat“ befand die Kinojury in Oberhausen.

 

Regie: Karsten Krause
Drehbuch: Karsten Krause
Kamera: Hans Krause
Musik: Karsten Kause
Darsteller: Annelise Krause, Hans Krause

MARBERT ROCEL - cornflakeboy

SIGNALIS

Erwin, das Wiesel, hat einen verantwortungsvollen Job. Rund um die Uhr bedient er die Lichtanlage einer Ampel und ordnet dabei seinen gesamten Alltag dem unerbittlichen Diktat der Stechuhr unter – bis eines Tages die eiserne Routine durch einen unscheinbaren Zwischenfall durchbrochen wird. Doch entgegen den Regeln klassischer Filmdramaturgien führt der sprichwörtliche Sand (der in diesem Falle Kaffeesatz ist) im Getriebe zumindest für den pelzigen Protagonisten am Ende nicht in die Katastrophe, sondern zur Freiheit.

Nachwuchsregisseur Adrian Flückiger von der Filmhochschule Luzern ist mit Signalis eine gleichsam kluge wie versöhnliche Variation zu einem Thema gelungen, das bereits Charlie Chaplin mit Moderne Zeiten und Terry Gilliam mit Brazil zu filmischen Großleistungen inspiriert hat: die Unmündigkeit des Einzelnen in einer durchbürokratisierten Technokratie.

 

Regie: Adrian Flückiger
Drehbuch: Adrian Flückiger


Kamera: Adrian Flückiger
Musik: Andy Iona

MY SUPER SEA WALL

Kivalina ist eine kleine Inuit-Gemeinde im Westen Alaskas. Viel mehr gäbe es über den wenig spektakulären Flecken auf der Landkarte eigentlich nicht zu berichten – wenn sich die arktische See nicht anschicken würde, ebendiesen Flecken von besagter Landkarte zu tilgen. In elegischen und gerade deshalb fesselnden Bildern zeigt die us-amerikanische Regisseurin Gina Abatemarco eindringlich, dass längst nicht mehr nur telegene Eisbären von den Folgen des globalen Klimawandels betroffen sind. Das Problem ist buchstäblich vor unserer Haustür angekommen. Für die Bewohner von Kivalina ist das Ansteigen der Meeresspiegel längst  nicht mehr nur abstraktes Zukunftsszenario, sondern reale Bedrohung. Hilflos und naiv wirken da die Bemühungen der Behörden, den gleichgültigen Fluten einen Wall aus Sandsäcken, eine ‚Super Sea Wall’ entgegenzusetzen, sinnloser Aktionismus im Gegenwert von drei Millionen Dollar, der die unausweichliche Umsiedelung der Bewohner nur kurz hinauszögern kann. Der Film nimmt sich Zeit, lässt die Betroffenen ausführlich zu Wort kommen und zeichnet auf diese Weise ein differenziertes Bild fernab von radikalem Ökoaktivismus und bequemer Betroffenheitskultur. Was sich in den leisen und überaus reflektierten Kommentaren der Dorfbewohner offenbart, ist nicht nur die elementare Angst vor Entwurzelung und Identitätsverlust, sondern auch mahnendes Zeugnis politischen Versagens im Angesicht einer neuen, unkalkulierbaren Gefahr. My Super Sea Wall ist damit ein unaufgeregter Appell nicht nur für eine verantwortungsvollen Klimaschutz, sondern auch für eine neue Kultur des gesellschaftlichen Dialogs. „Quiet is the new loud…“

Auf der Berlinale erhielt My Super Sea Wall lobende Erwähnung. Dem Film gelinge es „in aller Kürze eine universale und sehr bewegende Geschichte zu erzählen", so Laudatorin Emily Atef.

 

Regie: Gina Abatemarco
Kamera: Jay Keitel

12 JAHRE

Ein Hundeleben: Der Hamburger Filmemacher Daniel Nocke, Jahrgang 1968, seziert zwölf Jahre Zweisamkeit in viereinhalb Minuten. Im Gegensatz zur oft quälend niedlichen Vermenschlichung tierischer Hauptdarsteller, mit der der Disney-Konzern seit Jahrzehnten weltweit die Kinosäle füllt, gelingt „12 Jahre“ eine authentische Charakterstudie. Dabei stehen computergenerierte Mimik und Gestik dem Dialog in Sachen Glaubwürdigkeit in nichts nach, und so ist schnell vergessen, dass wir uns eigentlich im Schattenreich der Tiere bewegen: Ein begossener Pudel, der eigentlich eine Rottweilerdame ist, ein bissiger Intellektueller, der nicht von ungefähr an Woody Allen erinnert, eine Beziehung als Scherbenhaufen, Rachedurst und Reue. Bis am Ende Wut und Enttäuschung einfach  heruntergeschluckt werden…technisch brillant, menschlich brisant.

 

Regie: Daniel Nocke Drehbuch: Daniel Nocke


MARBERT ROCEL - TtticTictac

CAREFUL WITH THAT CROSSBOW

Nervenklau Eugene bekommt Verstärkung und eine Armbrust in die Hände. Eine knapp zweiminütige und doch endlose Zitterpartie beginnt – und endet gewohnt ungewöhnlich.

 

Regie: Jason Stutter
Drehbuch: Jason Stutter
Kamera: Jason Stutter


Darsteller: Cameron Stevens, Alexia Girvan, Liz Andrews-Stevenson Stevens

NEVER DRIVE A CAR WHEN YOU’RE DEAD

MONSTRA Lisbon Animated Film, Lissabon (Preis für den besten Studentenfilm) 2009 
2 Annas Statuette International Short Film Festival Riga 2010
Aubagne International Film Festival 2010 (Auszeichnung für Beste Musik) 

Eine Symphonie der Großstadt in Dunkel-Moll ist Gregor Dashubers virtuose Zeichentrickfahrt durch eine namenlose (aber doch vertraute) Metropole. Oder sagen wir besser: Nekropole, denn hier ist alles Verfall, Abstieg, Untergang. Ein schlecht gestimmtes Klavier, gespielt von einem schlecht gestimmten Protagonisten führt, einem modernen Rattenfänger von Hameln gleich, einen wachsenden Trauerzug durch verkommene Straßen…und nicht einmal das bisschen (überwiegend rote) Farbe, das sich finden lässt, stimmt zuversichtlich, es wirkt vielmehr, als würde die Dunkelheit still vor sich hin bluten.

 

Nicht zufällig erinnert Dashubers Großstadtpanorama – nicht nur im Musikalischen – an den Endzeitblues eines Tom Waits – titelgebend für den Film war eine Zeile aus dessen Song Telephone call from Istanbul. 

Dashubers großartiges filmisches Requiem ist vieles, nur eines ganz bestimmt nicht: ein Film der Hoffnung macht…und zumindest hier gilt dann doch noch einmal: der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

 

Regie: Gregor Dashuber 
Kamera: Gregor Dashuber
Musik: Marian Mentrup

CAREFUL WITH THAT AXE

Echte Phantomschmerzen bereitet es, dabei zusehen zu müssen, wie der unbedarfte Eugene im Umgang mit der Axt seines Vaters alles richtig falsch macht. Und dann kommt es doch anders, als es kommen musste. Ein Kleinod des schwarzen Humors, ein grausam-schönes Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers.

 

Regie: Jason Stutter
Drehbuch: Jason Stutter

Kamera: Jason Stutter
Darsteller: Cameron Stevens, Kevin Stevens

LOVE AND THEFT

Ein Trip von einem Kurzfilm: Andreas Hykade morpht sich in zunehmend psychedelischen Vexierbildern durch die Geschichte des Cartoons und bringt dabei zusammen, was zusammengehört die wahrscheinlich höchste Dichte von Copyrightverstößen in der gesamten Filmgeschichte. Das kongeniale Sounddesign von Heiko Maile wurde in diesem Jahr bei den Internationalen Kurzfilmtagen Hamburg ausgezeichnet.

 

Regie: Andreas Hykade Sounddesign: Heiko Maile


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06-11-10

Aussergewöhnliches gibt es jetzt in Serie: die Event-Reihe DREHMOMENTE@BMW Welt. Eine Stunde Filmerlebnisse von Nachwuchsregisseuren aus aller Welt, danach tanzen und feiern mit ausgesuchten DJs am aufregendsten Ort der Stadt.

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